Beschreibungen von (aussergewöhnlichen) Witterungsereignissen

 Renward Cysat (1545-1614), ein Pionier der alpinen Klimabeobachtung. Bildnachweis: Stiftsarchiv Engelberg Renward Cysat (1545-1613) war der Kopf der katholischen Reform („Gegenreformation“) in der Schweiz und zugleich mit Leib und Seele Naturforscher. Von 1588 bis zu seinem Tode beschrieb er den Witterungsverlauf und seine Auswirkungen in Luzern und auf den umliegenden Bergen (Pilatus, Rigi) unter Verwendung quantifizierender Angaben. Er hielt seine Beobachtungen wie Wolfgang Haller in Schreibkalendern fest, die jedoch verloren sind. Er zählte aber die täglichen Beobachtungen in vielen seiner Kalender monatsweise auf (Wetter, Pfister 2013). In seinem Werk Collectanea pro Chronica Lucernensis (Sammlung für eine Chronik von Luzern) vermerkt er beispielsweise zum feuchten und kühlen Monat Mai 1613: „1613 [Mai] [...] Hat ghept 25 regentag darunter 9 wol ergibig vnd wassers gnuog meertheils tag vnd nacht. Küele, nasse, vnlustige, melancholische zyt von dem 14ten dannen bis ans end dess monats. Die Vbrigen tag schon, […], darunder ettlich küel morgen, 2 tag grosse hitz, 3 aber mittelwarm“. Cysat erkannte klar, dass es im ausgehenden 16. Jahrhundert längerfristig kälter wurde, wobei er den Begriff „Klima“ oder gar „Klimawandel“ im heutigen Sinne noch nicht kannte (Pfister 2013).

Chronik Bérody Der Domherr Gaspar Bérody (1585-1646) in der Abtei Saint-Maurice führte über die Witterungsextreme im (Unter-)Wallis zwischen 1610 und 1642 Buch. So fiel in der zweiten Julihälfte 1621 auf den Alpweiden tiefer Schnee, wodurch viel Vieh verhungerte oder in tiefere Lagen getrieben und mit Heu durchgefüttert werden musste. Am 15. August wurde in Saint-Maurice eine Prozession mit der Bitte um warmes und sonniges Wetter durchgeführt. Jahre "ohne Sommer" wie 1621 sind kennzeichnend für das Klima der "Kleinen Eiszeit" (1300 bis 1850).

Manuskript Dietrich Joseph Dietrich (1645‑1704) führte mit anderen das Tagebuch des Klosters zwischen 1670 und 1704. Bis Mitte der 1680er Jahre hielt er extreme Witterungsereignisse wie den hochwinterlichen Charakter des Novembers 1676 fest: „In disem und folgendtem Monat war ein staette grauwsambe und by Mans gedenkten niemahl erfahrene Kelte, worvon vast alle Bruennen eingefrohren und ein zimlicher Mangel an Wasser erfolget und der Zuericher See bis in die Statt eingefrohren [Zürichseegefrörne]. Viler Ohrter hatt das Mahlen muessen eingestellt bliben und ist deswegen das Maehl umb etwas tewrer worden“. Von der Mitte der 1680er Jahren an werden die Schilderungen immer dichter, umfassen nicht selten mehrere Zeilen und erstaunen durch ihre Fülle an fein beobachteten Einzelheiten, namentlich der verschiedenen Wolkenformen (Pfister 1984). Dietrichs Tagebücher im Klosterarchiv sind heute zu zwei Drittel digitalisiert. Zur Zeit läuft ein vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) und von mehreren Stiftungen unterstütztes Projekt zu einer vollständigen kommentierten Online-Edition seines Tagebuchs und zur Integration seiner Wetterbeobachtungen in Euro-Climhist (Modul Schweiz).