Wettertagebücher

Probst Wolfgang Haller (1525-1601) Probst Wolfgang Haller (1525-1601) war in Zürich zuständig für die Verwaltung der Kirchengüter, d.h. die staatliche Umverteilung von Getreide und Wein. Er hielt von 1545 bis 1576 die tägliche Witterung in seinem Kalender, einer Vorform der heutigen Agenda, fest. So schreibt er am 3. Januar 1573: „grimm kalt mit näbel morgens, darnach sunnschyn".

Johann Heinrich Fries studierte Theologie und wirkte von 1676 an am Zürcher Collegium humanitatis als Professor (Gymnasiallehrer) für Katechese (Konfirmationsunterricht), später auch für Sprachen. Von 1684 an lehrte er Rhetorik an der philosophisch-theologischen Hochschule, dem Zürcher Carolinum. Fries führte von 1684 bis 1718 ein weitgehend lückenloses Wettertagebuch, in dem er Himmelsbedeckung, Niederschläge und Temperaturverhältnisse mit einem breiten Spektrum verschiedener, inhaltlich oft überlappender Ausdrücke charakterisiert. Fries verknüpfte seine Wetterdaten mit chronikalischen Aufzeichnungen, in denen er die Auswirkungen der Witterung auf die Gesellschaft beschreibt. Besonders wertvoll sind seine sorgfältigen Beobachtungen über den Zeitpunkt des Einschneiens und Ausaperns (Schneeschmelze), aus denen die Dauer der Schneebedeckung geschätzt werden kann, sowie Informationen, in denen er auf die Auswirkungen der Witterung auf die Gesellschaft eingeht (Pfister 1977). Die chronikalischen Aufzeichnungen von Fries wurden nach seinem Tode durch eine unbekannte Hand bis März 1721 fortgesetzt.

Ausschnitt aus dem Zürcher Wettertagebuch von Johann Heinrich Fries, Januar und Februar 1709<br> Bild: &copy; Zentralbibliothek Zürich, MS B 186d, fol. 161r Am 5. Januar 1709 herrschte „wind und regen, wovon der schnee auf der ebne aller weggeführt". In der Nacht vom 6. Januar folgte ein Kaltlufteinbruch: „Morgens lag ein neuer schnee und schneiete fort bis gegen 12 uhr. Die kälte war widerumb grosser. Darauf eine sehr kalte nacht."

Die Winzerfamilie Peter in Saint-Blaise (NE) zeichnete während 44 Jahren (1702-1746) die Witterung auf und hielt den Zeitpunkt der Rebenblüte und der Weinlese systematisch fest. Der „Receveur“ (Zehntverwalter) Elie Peter (gest. 1724) berichtete über die Jahre 1702 bis 1723. Sein namentlich nicht bekannter Sohn, der „Greffier“ (Amtsschreiber) (1700-1746), setzte das Werk seines Vaters bis 1728 fort. Dessen Bruder (?) Pierre (1705-1755) führte die Beobachtungen bis 1746 weiter. Elie und sein Sohn fassten Tage mit gleicher oder ähnlicher Witterung zusammen, so etwa den 12. bis 16. April 1705 („schön“), wobei sie auffällige Tage – beispielsweise Starkfröste – einzeln beschrieben. Pierre ging stärker ins Detail und erwähnte beispielsweise sommerliche Schneefälle auf dem Chaumont (1180 m). In Euro-Climhist sind neben den phänologischen Beobachtungen (ab 1702) die Witterungsbeschreibungen von 1719-1746 enthalten (Serie 21).

Emanuel Handmann: Porträt Johann Bernhard Effingers aus dem Jahr 1755. Im Hintergrund ist das Schloss Wildegg zu sehen. <br> Gemälde: © Schweizerisches Nationalmuseum, COL-15414 Johann Bernhard Effinger (1701-1772) entstammte einer Familie des bernischen Landadels und besass das Schloss und die Herrschaft Wildegg (AG) mit 80 Hektaren Kulturland und Wald. 1735 gelangte er in den Grossen Rat und amtete 1747-1753 als Schaffner (Verwalter) des St. Vinzenzenstifts in Bern. Er widmete sich vorrangig seinen landwirtschaftlichen Besitzungen und hielt in diesem Zusammenhang die Witterung fest. Dabei fasste er öfters Tage mit ähnlichen Verhältnissen unter dem gleichen Begriff zusammen, etwa „kalt und Regen“. Regelmässig erwähnte er den ersten Schneefall. Längere Trockenphasen charakterisierte er mit Verweis auf die Verknappung des Wassers (Schwarz-Zanetti, Pfister, Müller 1995) (vgl. Serie 25).