Neustart im Zeitalter des Internets (seit 2010)

Im Juni 2006 nahm der Bundesrat Euro-Climhist in die Liste der langfristig zu erhaltenden Schweizer Datenplattformen von internationaler Bedeutung auf. Dieser Beschluss erlaubte längerfristig eine Neukonzeption und den Ausbau von Euro-Climhist zu einem öffentlichen, internetbasierten Informationssystem. Nach der Emeritierung von Christian Pfister übernahm sein Nachfolger am Lehrstuhl für Umwelt- und Klimageschichte, Christian Rohr, das Management von Euro-Climhist. Das Projekt wurde nun nicht mehr nur durch das Oeschger Zentrum der Universität Bern und die Abteilung für Wirtschafts-, Sozial- und Umweltgeschichte (WSU) des Historischen Instituts der Universität Bern getragen, sondern seit dem 1. Juli 2010 auch vom Global Climate Observing System (GCOS) Schweiz beim Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie MeteoSchweiz unterstützt. Dies erforderte die Entwicklung eines neuen, systematischen Kategoriensystems, namentlich in Form einer Verringerung von rund 2400 auf knapp 300 Codes ohne Einbusse an Detailschärfe durch den Einbau von unbeschränkt erweiterbaren Komplementärcodes. Schliesslich wurden einige Zehntausend neue Daten aufgenommen. Am 3. Mai 2012 wurde das Release 1 von Euro-Climhist aufgeschaltet, doch musste es wegen Kinderkrankheiten bald vom Netz genommen werden. IT-seitig litt das Projekt dann mehr als zwei Jahre unter lang andauernden Vakanzen. Im Dezember 2014 konnte mit Antoine Jover ein erfahrener, effizienter und kooperativer Softwareingenieur gewonnen werden, der das Projekt in intensiver Zusammenarbeit mit Matthias Fries binnen weniger Monate auf den heutigen technischen Stand geführt hat.

 

Wie weiter?

Euro-Climhist soll in der Periode nach 1501 in Form von regionalen Modulen aufgebaut werden, die von Forschungsgruppen unter Verwendung der Euro-Climhist Methodik und -Software in eigener Regie und Verantwortung publiziert werden, ähnlich wie dies bei Aufsätzen in Sammelbänden der Fall ist. Die entsprechenden Daten bleiben Eigentum der jeweiligen Autorinnen und Autoren. Jeder Datensatz ist mit dem Kürzel der entsprechenden Beitragenden gekennzeichnet und kann auf deren Begehren von Suchen ausgeschlossen werden. Die Euro-Climhist-Verantwortlichen treten dabei als „Herausgeber“ in Erscheinung, indem sie bei der Aufnahme, Verarbeitung und Integration der Daten Hilfestellung leisten. Damit soll die für überregionale Forschung nötige Vereinheitlichung des Datenfeldes erreicht und zugleich die eigenständige Autorschaft regionaler Gruppen gewährleistet werden. Das Modul Schweiz (Release 2) ist das erste dieser regionalen Module.

In der Periode vor 1501 machen regionale Module keinen Sinn, weil die Informationsdichte zu gering ist. Für diese Periode ist ein Modul „Mittelalter“ vorgesehen, das ganz Europa umfasst. Es wurde im Dezember 2015 in Angriff genommen.